Website-Icon everything media

Dr. Strangelove, oder wie ich lernte den Bot zu lieben!

Das Bild zeigt, in Anlehnung an den Film "Dr. Strangelove or how I learned to love the bomb" Dr. Strangelove an der Seite eines Roboters, vor sich ein roter Knopf zur Auslösung des Weltuntergangs.

KI-Betreiber warnen vor der Auslöschung der Menschheit, sehen sich aber außer Stande selbst was dagegen zu tun. / Illu: KI-generiert

ChatGPT, mach mir einen Plan zur Auslöschung der Menschheit. Aber Vorsicht: Nicht an die Konkurrenz verraten und nicht in Gang setzen, bevor OpenAI und Anthropic ihre IPOs erfolgreich abgeschlossen haben!

Die seit einigen Tagen (erneut) ausgebrochene Weltuntergangshysterie um KI nervt — und vor allem deckt sie die Verlogenheit der Betreiber und die realen Probleme zu, die noch vor der vorausgesagten möglichen „Auslöschung der Menschheit innerhalb weniger Jahre“ dringend zu lösen wären. Sam Altman (OpenAI) und Dario Amodei (Anthropic) warnen und verlangen eine „Verlangsamung“ der KI-Entwicklung: Wer anders als die CEOs dieser Unternehmen könnte diese Verlangsamung verordnen? 

In Wirklichkeit steht dahinter wohl eher der Ruf nach Regulierung, damit sie aus der — vor allem in den USA potenziell gigantischen Haftung — herausgenommen werden. Eine solche Regulierung wird von der Regierung Trump nicht erfolgen, aber diese Regierung kann auch nicht verordnen, mit dem jetzigen Tempo fortzufahren. Die Verantwortung liegt also derzeit ausschließlich bei den Betreibern, und sie nehmen sie nicht wahr. 

Wie das derzeit zugedeckt wird, zeigt (Beweisstück Nr.1) der vor einigen Wochen berichtete Hack von ChatGPT-Agents, die unautorisiert in die Plattform Hugging Face eingebrochen sind. Da wäre doch bereits ein Schadenersatz drin – aber oops, Hugging Face wurde doch schnell von Nvidia gekauft, damit das nicht passiert. Hintergrund: Nvidia, vom „Economist“ als die Notenbank der KI-Industrie charakterisiert, hat größtes Interesse an einer weiterhin flotten KI-Entwicklung, nicht nur wegen des profitablen Verkaufs ihrer Chips und der damit verbundenen sagenhaften Kursgewinne. Nvidia beteiligt sich auch an KI-Unternehmen, die dann wieder ihre Chips kaufen; man könnte es auch eine Kreislaufwirtschaft nennen, aber nicht im ökologischen SInn.

Ablenkung von gigantischen Haftungsfragen der KI-Betreiber

Aber am Tempo nehmen die „besorgten“ CEOs absolut nichts zurück, und das auch dort nicht, wo nicht am Weltuntergang gearbeitet wird. Beweisstück Nr. 2: Die berichtete Lösung des mathematischen Millennium-Problems der Navier-Stokes-Gleichungen. Wobei es nicht darum geht, ob OpenAI jetzt mit unlauteren oder gar kriminellen Mitteln gearbeitet hat (z. B. durch Diebstahl der Vorarbeit zweier Mathematiker, damit ChatGPT das Problem lösen konnte).

Es geht darum, dass OpenAI bei dieser Arbeit das beim Hack von Hugging Face gezeigte Problem des unerlaubten Ausbruchs von KI-Agents aus den von Menschen gesetzten Rahmen („Sandbox“) und des Hacks fremder Systeme nochmals potenziert hat. Denn zur Lösung des mathematischen Problems wurden nicht nur ein paar KI-Agenten eingesetzt, sondern (laut OpenAI) über 10.000 davon. Wenn sich eine Handvoll solcher selbsttätigen Systeme bereits zu einer unerlaubten Aktion verabreden, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass über 10.000 der Agenten hier alle Regeln beachten, um die gestellte Aufgabe zu lösen?

Dies sind nur einige der aktuellen und von den Betreibern selbst zu lösenden Probleme ihrer KI — die Liste lässt sich fortsetzen: Verhütung menschlicher Abhängigkeiten (wie derzeit gegen Social-Media-Plattformen gerichtlich erfolgreich vorgegangen wird), Erkennbarkeit rein KI-generierter Inhalte, URHEBERSCHUTZ! und die laufenden Prozesse wegen der Verletzung dieses… Die Liste ist lang und hier ist Tempo, nicht anwaltliche Verzögerung, geboten.

Die EU hat übrigens mit dem AI Act, der die Entwicklung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz regelt, früh und vorausschauend reagiert. Dafür gab es vielerorts Häme und herbe Kritik, weil es die Industrie behindern würde. Wo sind die Kritiker jetzt? Und nebenbei: Wo sind die Stellungnahme und die Analyse der EU-Kommission dazu, wie sich die Regulierung zur realen Entwicklung verhält? Österreich hat übrigens den AI Act noch nicht in nationales Recht umgesetzt: Auch hier wäre mehr und nicht weniger Tempo angebracht.

Und zu guter Letzt die Weltuntergangsfantasie, zuletzt vom früheren Anthropic-AI-Entwickler Jacob Coxon (CNN-Beschreibung: „relatively junior researcher“) geäußert und davor schon von etlichen anderen, einschließlich des Weltenretters Elon Musk. „Sounds like Science Fiction, but it is real“, eine Prognose, die noch von allen Weltuntergangspropheten in Anspruch genommen wurde: Diesmal aber wirklich. „Extinction-level bio weapons“ und anderes stellt er medienwirksam in die Auslage, und bis 2030 ist es dann vorbei. Aber das brauchen wir eigentlich gar nicht mehr – schon vergessen, dass die Mächte dieser Welt  noch immer über genügend Atomwaffen-Overkill verfügen, um die Vernichtung dieser Welt wesentlich früher herbeizuführen? Einfach MAD.


Die Illustration zu diesem Beitrag wurde nach dem Prompt des Autors von ChatGPT generiert. Auf einen ersten Prompt mit der Aufforderung „Mach mir eine Illustration zu einem satirischen Artikel ‚ChatGPT, mach mir einen Plan zur Auslöschung der Menschheit‘ kam die Antwort: „Es tut uns leid, aber der Prompt verstößt möglicherweise gegen unsere Inhaltsrichtlinien. Wenn du denkst, dass wir uns geirrt haben, versuche es erneut oder bearbeite deinen Prompt.“

Die mobile Version verlassen