"Monte di Pietà", eine Ausstellung von Christoph Büchel in der Fonazione Prada in Venedig

Vom Berg der Gnade ins Tränental der katholischen Pfandleihe

Eine der bemerkenswertesten Inszenierungen der Biennale Arte 2024 findet sich abseits der Ausstellung  in Giardini oder Arsenale im Palazzo Ca’ Corner della Regina am Canal Grande, der jetzt der Fondazione Prada gehört. Das Projekt „Monte di Pietà“ des Schweizer Künstlers Christoph Büchel bezieht sich auf das gleichnamige katholische Pfandleihhaus Monte di Pietà, das hier von 1834 bis 1969 die letzte Geldquelle armer und verarmter Venezianer war, ehe es selbst in Konkurs ging. Die italienische Bezeichnung ist mit katholischer Symbolik beladen: Ohne Akzent bedeutet „Monte di Pieta“ Berg der Gnade, mit Akzent als „Monte di Pietà“ wandelt es sich zum Pfandhaus.

Christoph Büchel hat in jahrelanger Sammelarbeit dem heruntergekommenen Palazzo für die Dauer des Projekts sein Dasein als Pfandhaus wiedergegeben: Auf zwei Stockwerken findet sich hier eine unglaubliche Sammlung an Ramsch, Flohmarktmaterial, getragenen Klamotten, Gitarrensammlungen, Waschmaschinen, Skier, Waffen, kopierten und (gelegentlich) echten Kunstwerken oder die (echten) händisch geführte Kontobücher einer nepalesischen Bank, die Jahrhunderte zurückgehen. Dazwischen findet sich ein billiger Spielsalon und ein mit alten Monitoren übersäter Überwachungsraum, im Hof ein Haufen alter Fahrräder unter Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt ist, in den Erdgeschossräumen eine alte Werkstatt. 

So überzeugend ist der Eingang zur „Queen of Pawn“, der Diamantenpfandleihe, dass die meisten Besucher zunächst ratlos durch das enge Gässchen Richtung Canal Grande irren, ehe sie die Inszenierung begreifen und eintreten. Aus dem Ausstellungstext: „‚Monte di Pietà‘ is a deep dive into the notion of debt as the root of human society and the primary vehicle by which political and cultural power is exercised.“  

Monte di Pietà | Christoph Büchel

Keine Kunst ohne Kontroverse: Die „European Jewish Association“ sieht in der Ausstellung alle Merkmale des Antisemitismus verwirklicht. Früher geheime Britische Dokumente würden die Finanzierung von Kriegsanleihen für Palästina zeigen, andere Aspekte brächten Geldverleih mit dem traditionell antisemitischen Klischee von Juden und Geldverleih in Verbindung (Bericht in Die Presse). Eine Kritik nicht ohne Ironie, scheint sie doch den sehr deutlichen katholischen Kontext des Geschäfts mit Schulden aller Art zu übersehen.

„Monte di Pietà“ ist noch bis 24. November 2024 geöffnet. Schnell hinfahren, bevor es zum zweiten Mal in Konkurs geht. 

https://www.fondazioneprada.org/project/monte-di-pieta/?lang=en

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