Hybrides Arbeiten wird Realität bleiben. Zeit für ein Makeover des Homeoffice.

Homeoffice, Version 2022

Noch immer wird Homeoffice meist als vorübergehende Begleiterscheinung von Corona behandelt. Dementsprechend improvisiert ist die Ausstattung des Büros daheim. Aber „hybrides Arbeiten“ wird Realität bleiben. Zeit für ein Makeover der Tools für die Heimarbeit.

OK, Zoomers. Wer von der glorreichen Rückkehr ins lange vermisste Büro geträumt hat ist wohl spätestens mit dem jüngsten Lockdown und Omikron mit Katerstimmung aufgewacht. Tatsache ist, dass wir 1. noch länger mit pandemisch verordnetem Homeoffice leben werden, 2. das Büro Post-Corona nicht mehr das Büro Prä-Corona sein wird, und 3. unser Arbeitsplatz daheim vom Provisorium zur dauerhaften Einrichtung aufgerüstet werden muss.

Dazu ein paar Tipps – im Wissen, dass es vom Single-Haushalt bis zur Patchwork-Familie, von kleinen Wohnungen bis zum Haus mit Gartenhütte unzählige Situationen gibt, die nur jede/r für sich optimieren kann. Das Unternehmensbüro wird dabei nicht verschwinden, aber es wird sich wandeln – im besten Fall zum Treffpunkt mit Offsite-Atmosphäre und zur Ressource in Ergänzung zum Homeoffice.

Video ist in unserer digitalen Toolbox das wichtigste Werkzeug geworden. Erstaunlich, wie nach fast zwei Jahren von Zoom & Co. Menschen am Bildschirm noch immer grotesk entstellt erscheinen: Einstürzende Neubauten im Hintergrund, weil die Kamera von unten aufnimmt. Geköpfte oder Entkörperte, weil aufgrund der Kameraposition unten oder oben abgeschnitten wird. Eine schwarze Silhouette, weil das Gegenüber im Gegenlicht sitzt. Die Liste lässt sich fortsetzen, nicht zuletzt mit technischen Mängeln.

„Schlechtes Setting führt dazu, dass Videocalls ermüden.“

Schlechtes Setting führt dazu, dass Videocalls ermüden. Dabei ist Abhilfe leicht und billig. Das wichtigste Zubehör ist ein Notebook-Ständer, damit die Kamera auf Augenhöhe und die Perspektive des Hintergrunds gerade ist. Displays mit integrierter Kamera brauchen meist einen Untersetzer für die richtige Höhe. Gelegentlich bewusst in die Kamera zu schauen, statt auf den Bildschirm zu starren, gibt das Empfinden von Augenkontakt. Und wenn wir die Kamera im Notebook oder Display ein wenig von uns wegrücken, sitzen wir unserem Gesprächspartner nicht in 50 cm Abstand gegenüber – eine unangenehme Nähe, die es in keinem Meeting geben würde.

Der richtige Hintergrund für Zoom & Co. ist wie die richtige Kleidung fürs Büro. Nur am Anfang von Homeoffice war es unterhaltsam, plötzlich in die Privatsphäre von Kollegen, Chefinnen oder Kunden Einblick zu nehmen. Eineinhalb Jahre später sind Videocalls selbstverständlicher Teil unserer Arbeit geworden und brauchen sachliche Inszenierung, „business casual“ statt T-Shirt und Strandhintergrund. Wer dazu keinen geeigneten Hintergrund daheim hat, kann sich mit einem billigen Rollup oder virtuellem Hintergrund behelfen. Keine exotischen Tiere oder Destinationen, sondern das Bild eines Meetingraums, eines Büros, einer Bücherwand, oder die Unschärfe-Einstellung des Videotools. Apropos richtige Kleidung: Die gibt es auch für Zoom-Meetings. Man nimmt sich und sein Gegenüber damit ernster als im T-Shirt und Shorts.

Licht ist die halbe Miete für gute Calls. Gutes Tageslicht (von vorne oder von der Seite) oder helle Raumbeleuchtung reichen in der Regel. Bei schwierigen Lichtverhältnissen ist eine am oberen Bildschirmrand montierte Ringleuchte eine einfache Lösung, die für gute, gleichmäßige Ausleuchtung sorgt und an verschiedenen Standorten verwendet werden kann. Gelegentlicher Standortwechsel ist übrigens ein gutes Rezept gegen Ermüdungserscheinungen daheim: Auch im „alten“ Büro war man kaum den ganzen Tag an einen Schreibtisch gefesselt, sondern wechselte zwischen Schauplätzen.

Gegen die Zoom-Müdigkeit gehört neben diesen richtigen Einstellungen auch die Gesamtausstattung. Leistungsfähiges Internet: Zwar ist man hier vom Angebot am Wohnort abhängig, nicht überall gibt es starkes Kabel- oder Glasfaserinternet. Aber meist gibt es Upgrade-Möglichkeiten, etwa die Ergänzung eines DSL-Anschlusses durch einen mobilen Internetanschluss, der ausschließlich für Homeoffice verwendet wird. Oder auch zwei mobile Router von zwei unterschiedlichen Netzbetreibern (damit sie die Leistung eines Netzbetreibers nicht erst wieder teilen müssen). WLAN in der Wohnung hat oft Lücken, hier lohnt sich die Investition in aktuelle „Mesh-Router“, um überall guten Empfang zu haben.

Ein Meter Distanz zur Kamera oder mehr, um einander im Bildausschnitt ähnlich wie in einem Besprechungsraum gegenüber zu sitzen, schafft eine wesentlich entspanntere Atmosphäre im Videocall. Damit dies gut funktioniert braucht es auch technische Vorkehrungen. Wenn während des Calls z.B. eine Präsentation gezeigt wird, ist eine zusätzliche Bluetooth-Tastatur angenehm, um den Abstand zum Notebook zu überbrücken. Ein großes Display (27 Zoll oder mehr), ein zweiter Bildschirm oder sogar ein zweites Gerät (Tablet) sind nützlich, um sowohl die Videokonferenz anzuzeigen als auch Notizen machen zu können. Bluetooth-Kopfhörer und Mikro mit Geräuschunterdrückung geben Bewegungsfreiheit und guten Ton.

„Die Lösung für das Homeoffice: Tintendrucker mit preisgünstigen Tintenbehältern statt teuren Druckerpatronen.“

In den meisten Büros standen irgendwo Laserdrucker, die Unmengen an Dokumenten erzeugten (die meist in kurzer Zeit ins Altpapier wanderten). Zuhause erfüllen diese Funktion meist Tintendrucker, die wenig in der Anschaffung und viel in den Tintenpatronen kosten. Die Lösung für das Homeoffice: Tintendrucker mit preisgünstigen Tintenbehältern statt teuren Druckerpatronen. Selbst wenn noch ein Inkjet-Drucker mit Patronen vorhanden ist, lohnt sich bei gesteigertem Druckvolumen der Umstieg in kurzer Zeit.

Sitzen Sie übrigens gut? Es gibt auch wohnliche, ergonomische Drehstühle in unterschiedlichen Preisklassen, die keine Büromonster sind. Und der Tisch, an dem Sie daheim arbeiten, sollte sich vom Provisorium in eine gute, dauerhafte Arbeitsinsel verwandeln – auch dies wird von den Möbelherstellern inzwischen in den unterschiedlichsten Größen, Design und Preiskategorien für daheim bedient.

All das kostet Geld, und die bisherigen Bestimmungen über die steuerliche Absetzbarkeit von Homeoffice sind bestenfalls ein erster Schritt dies zu würdigen. Arbeitgeber wissen sehr genau, was ein Arbeitsplatz kostet (viele haben in ihren Budgets Ersparnisse aufgrund hybrider Arbeitsformen bereits einkalkuliert). Wer nicht gänzlich auf seinen Kosten sitzen bleiben will sollte die persönliche Kalkulation in das nächste Gehaltsgespräch mitbringen. Und mit dem Betriebsrat dazu einen längeren Videocall einplanen.

Dieser Beitrag erschien in Der Standard Karriere.

Veröffentlicht von