Monika Kircher war bis Ende 2014 Vorstandsvorsitzende von Infineon. 2019 gründete sie mit Partnern die Kärntner Kulturstiftung. Foto: Ferdinand Neumüller

„Von Anfang an eine Gruppenanstrengung“  

Stiften für das Gute: Eine Standard-Serie zum Thema gemeinnützige Stifterinnen und Stifter. Diesmal: Manchmal springen gemeinnützige Stiftungen dort ein, wo Politik und Staat versagen. Darum gründete die frühere Infineon-Chefin Monika Kircher zusammen mit einigen Mitstiftern die Kärntner Kulturstiftung. Stärkere Förderung von Kunst und Kultur sollten nach dem Hypo-Alpe-Adria-Skandal dazu beitragen, „damit Kärnten nicht in die Depression stürzt“.

Die Idee zur Gründung der Kärntner Kulturstiftung, erzählt Monika Kircher, war vor einigen Jahren aus einer Reihe von Initiativen entstanden, die Projekte zur Stärkung des Landes gründeten, „damit Kärnten nach der Hypo-Krise nicht in die Depression stürzt“. Die Gefahr war real, Kärnten blieb auf einem Milliarden-Schuldenberg sitzen, und vor allem Kulturausgaben drohte der Rotstift. „Dabei zählen Kunst und Kultur zu den Stärken des Landes“, sagt die geborene Kärntnerin Monika Kircher.
 
Viele Jahre leitete sie als CEO den Halbleiterhersteller Infineon Austria mit seinem Standort in Villach. Dabei spiegelt der Lebenslauf der WU-Absolventin und WU-Managerin des Jahres 2008 die Stationen, die zu ihrem ausgeprägten gesellschaftlichen Engagement führten: In den 80-er Jahren Kärntner Geschäftsführerin des Österreichischen Informationsdienst für Entwicklungspolitik, in den 90-ern Vizebürgermeisterin von Villach, ehe sie mit Beginn der 2000-er Jahre in den Vorstand von Infineon einzog und dann bis Ende 2014 Vorstandsvorsitzende war.
 
„Geschätzt drei Viertel der Persönlichkeiten aus Malerei und Literatur, die die österreichische und internationale Kulturszene in den letzten 50 Jahren geprägt haben, haben einen Bezug zu Kärnten“, wie etwa die Malerin Maria Lassing, die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann oder der Schriftsteller Peter Turrini, sagt Kircher. „Es ist wichtig, dass die Region stärker auf das Thema setzt. Das passt sehr gut zu neuen Kreativunternehmen mit digitaler Kunst, oder zu nachhaltigem Tourismus.“
 
Die Stiftungsgründung erfolgte schließlich im Herbst 2019. „Von Anfang an war es eine Gruppenanstrengung, es hat sich ein tolles Team zusammengefunden. Darum wurden wir auch 2021 als Stiftung des Jahres ausgezeichnet“, sagt Kircher, die zusammen mit der Unternehmerin Ina Maria Lerchbaumer und dem Steuerberater Anton Rausch den Grundstein legte. „Es zeigt sich, dass man auch mit kleineren Beträgen und viel Engagement viel bewegen kann. Es braucht nicht immer die wirklich reichen Gönner, es kann auch durch ein Team passieren.“ Zu den „Zustifter“ zählen inzwischen die Haselsteiner Familien-Privatstiftung, das Land und die Kelag. Ein weiteres Dutzend Mäzene, Förderer und Sponsoren tragen substanzielle Mittel bei.
 
Warum gründete die Initiative eine gemeinnützige Stiftung, was formal aufwändig ist, statt einen Verein? „Wir wollten, dass sich sowohl Mäzene und Förderer als auch Künstlerinnen und Künstler langfristig verlassen können. Unserer Latte war es, mit unserer Arbeit zu starten, sobald wir eineinhalb Millionen Euro zusammen hatten. Das ist uns im zweiten Jahren nach der Gründung gelungen.“
 
Das Stiftungsvermögen ist aus steuerlichen Gründen für drei Jahre gesperrt, erst danach könne man darauf zugreifen, erklärt Kircher. „Aber das wollen wir nicht. Wir wollen durch Mäzene das Vermögen eher steigern, statt es zu schmälern. Wir sind dankbar für die Vorschusslorbeeren, die wir erhielten. Es ist nicht leicht, schon vor dem Arbeiten dieses Commitment zu bekommen – das ermöglicht uns, derzeit jährlich 300.000 Euro an Künstlerinnen und Künstler zu vergeben.“
 
Mit diesem Geld wurde unter anderem während der Lockdowns in Pandemie für Freischaffende Solidaritätstickets vergeben, „daran konnten sich auch kleinere individuelle Spender beteiligten“. Auch diverse Kleinaufträge seien an Kulturschaffende vergeben worden. „Das erste große Projekt 2021 war eine öffentliche Ausschreibung zum Thema ‚Umbrüche‘, mit einem Volumen von 200.000 Euro.“ Eine Fachjury kürte vier Siegerprojekt, die von der Stiftung auch weiter unterstützt werden. Dazu gehört unter anderem eine Ingeborg Bachmann Gruppe, sowie das Klagenfurter Ensemble, das zu einem Festival nach Rumänien eingeladen wurde.
Besteht durch Stiftungen wie die Kärntner Kulturstiftung die Gefahr, dass zum privaten Thema wird, was eigentlich Aufgabe des Staates wäre? Natürlich gebe es bei der sozialen und kulturellen Verantwortung des Landes „Luft nach oben“, sagt Kircher. „Andererseits gibt es speziell nach der Pandemie zivilgesellschaftlich sehr viel zu tun für Menschen, die es sich leisten können, der Gesellschaft und Politik etwas zurückzugeben“, sieht sie die Notwendigkeit für das Engagement privater Initiativen. Das Land sei auch durch seine Rolle als Mitstifter in die Pflicht genommen.
 
„Wir wollen das Land nicht als Subventionsgeber entlasten. Wir wollen Akzente setzen für einen gemeinsamen Hebel.“ Dies könne man anhand jener Projekte der Stiftung belegen, die auch vom Land subventioniert wurden. „Die Projektwerber sagen uns, das hätte es ohne die Stiftung nicht gegeben. Wir machen nur Dinge, die sonst nicht passieren würden.“
 
Verbesserungsbedarf sieht Kircher bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen für gemeinnützige Stiftungen. Gründungen müssten vereinfacht werden, und bei der erlaubten Höhe der steuerlich begünstigten Ausschüttungen liege Österreich am unteren Ende der OECD-Staaten. Und wie auch andere Stifter kritisiert sie, dass Österreichs Steuerbehörden die begünstigten Themen stark einschränken — so ist auch der so wichtige Bildungsbereich betroffen, für den es keine steuerliche Begünstigung bei Zuwendungen gibt.

Dieser Beitrag erschien ursorünglich in Der Standard Karriere.
 

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